Ammenmärchen

Es gibt viele Sprüche rund um die Zähne, die wir auch heute noch einfach ungefragt übernehmen und uns danach richten. Doch Vorsicht! Häufig sitzen wir dabei ganz dicken Ammenmärchen auf: Wir haben einigen davon einmal auf den Zahn gefühlt:

1. Wer kennt ihn nicht den Spruch: "Nach jedem Essen, Zähneputzen nicht vergessen."

Abgesehen davon, dass die meisten sowieso nur morgens und abends die Zähne putzen, ist dieser Reim eher schädlich als nützlich. Denn wenn Sie immer sofort nach dem Essen Ihre Zähne putzen, bürsten Sie sich dabei den von der Säure im Mund angeweichten Zahnschmelz ab. Es ist viel besser, etwa eine halbe Stunde zu warten, bis sich der Säurepegel im Mund wieder ausgelichen hat, und sich dann die Zähne zu reinigen. Wenn Sie morgens gleich nach dem Frühstück das Haus verlassen müssen, putzen Sie sich direkt nach dem Aufstehen die Zähne und benützen Sie im Laufe des Vormittags eine Mundspüllösung. Abends vor dem Schlafengehen ist dann die gründliche Reinigung an der Reihe - mit Bürste und Zahnseide.

2. Wie oft sagen Eltern zu ihren Kindern: "Die Zahnpasta immer schön ausspucken und mit Wasser spülen!"

Das ist falsch! Denn je länger die Zahnpaste im Mund und an den Zähnenhaften kann, dest wirksamer ist das darin enthaltenen Fluorid und die Mineralien. Sie härten den Zahschmelz. Also spucken Sie den Schaum ruhig aus, lassen aber dann ruhig die Zahnpasta noch eine Weile im Mund.

3. Nicht nur unsere Großmütter glauben noch daran, dass jedes Kind einen Zahn kostet.

Auch heute ist diese Meinung noch weit verbreitet. Es stimmt einfach nicht, dass Schwangeschaft oder Stillzeit Zahnverlust zur Folge haben müssen. Vor allem die gründliche Pflege des Zahnfleisches und die regelmäßige Prophylaxe ist in der Schwangeschaft ein absolutes Muß. Daran dachte man in frühreren Zeiten noch nicht - und schnell gingen aufgrund von verschleppten Zahfleischentzündungen Zähen verloren. Das wurde dann auf den vermeintlichen Kalziumverlust während der neunmontiagen Schwangerschaft und anschließenden Stillzeit zurückgeführt. Dabei hat das eine mit dem anderen nichts zu tun! Denn soviel Kalzium verliert der weibliche Organismus in dieser Zeit nicht, dass davon Zähne ausfallen würden!

4. Zucker macht die Zähne kaputt!

Sie sollten wissen: Zucker an sich ist noch kein Zahnkiller. Erst verschiedene Umstände führen dazu, dass Süßigkeiten ihre zerstörende Wirkung auf den Zahnschmelz entfalten können. Dazu gehört vor allem die Verweildauer des Zuckers im Mund und auf den Zähnen. Je länger die süssen Sachen dort haften, desto länger können sie das Säuregleichgewicht im Mund stören und den Biofilm- vereinfacht auch Belag oder Plaque genannt - auf den Zähnen verschärfen, so dass er den Zahnschmelz angreift.

Wenn Zucker ständig in kleinen Dosen aufgenommen wird, ist dieses ausgeklügelte Säuremilieu im Mund ständig neuen Attacken ausgesetzt und kann sich nicht wieder einpendeln. Ihre Zähne sind damit quasi unter "Dauerbeschuß". Deshalb verputzen Sie Ihre Tafel Schokolade lieber auf einmal als sich über den Tag verteilt kleine Stückchen zu genehmigen!